Zusammenfassung
Dieses Dokument bewertet die Architektur und das Betriebsmodell von StateWarden anhand des EU Cloud Sovereignty Framework (Version 1.2.1, Oktober 2025). Die Bewertung prüft die 8 Sovereignty Objectives (SOV) und bestimmt das Sovereignty Effectiveness Assurance Level (SEAL).
Bewertungsgrundlage: Selbstbewertung - keine auditierte Zertifizierung. Diese Bewertung wurde intern vom StateWarden-Team durchgeführt und wurde von keiner unabhängigen Stelle auditiert, verifiziert oder zertifiziert. Das Ergebnis ist ein Assurance-Profil pro Ziel und kein einzelnes Gesamtniveau: Die meisten Ziele sind mit SEAL-4 selbst bewertet, SOV-5 (Lieferkettensouveränität) mit SEAL-3 bis SEAL-4 und SOV-7 (Souveränität bei Sicherheit und Compliance) mit SEAL-3, hauptsächlich weil die Zertifizierungen nach ISO/IEC 27001 und ENISA noch nicht erlangt wurden. StateWarden operiert unter EU-Kontrolle, unterliegt EU-Recht und hat keine strategischen Abhängigkeiten von Nicht-EU-Staaten.
Detailbewertung nach Sovereignty Objective
SOV-1: Strategische Souveränität (15 %)
Die strategische Souveränität erfasst den Grad, in dem die Dienste im rechtlichen, finanziellen und industriellen Ökosystem der EU verankert sind.
- Bewertung: SEAL-4
- Begründung:
- Kontrolle und Governance: Das Unternehmen und seine Leitungsorgane befinden sich vollständig innerhalb der EU.
- Investition und Wertschöpfung: Die Software wird in Rust entwickelt, ohne Abhängigkeit von strategischen Investitionen aus Nicht-EU-Staaten.
- Autonomie: Die Architektur von StateWarden (eigenständige Komponenten Agent, Artemis und Driad) unterstützt den unabhängigen Betrieb ohne externen Herstellersupport.
SOV-2: Rechtliche und jurisdiktionelle Souveränität (10 %)
Bewertet das rechtliche Umfeld, die Exposition gegenüber ausländischen Behörden und die Durchsetzbarkeit von Rechten.
- Bewertung: SEAL-4
- Begründung:
- Jurisdiktion: Betrieb unter EU-Jurisdiktion. Nicht dem US CLOUD Act oder vergleichbaren ausländischen Cybersicherheitsgesetzen unterworfen.
- Datenisolierung: Die Plattform wird auf OVHcloud-Bare-Metal-Infrastruktur in EU-Rechenzentren gehostet. Es werden keine Public-Cloud-APIs genutzt.
- Geistiges Eigentum: Das geistige Eigentum ist innerhalb der EU registriert und wird dort verwaltet.
SOV-3: Daten- und KI-Souveränität (10 %)
Konzentriert sich auf den Schutz, die Kontrolle und die Unabhängigkeit von Datenbeständen.
- Bewertung: SEAL-4
- Begründung:
- Kryptografische Kontrolle: StateWarden nutzt ein Cascade-Cryptography-Modell (mTLS, BLAKE3, AES-256-GCM, ChaCha20-Poly1305, ML-KEM/Kyber). Zero-Knowledge-Provisioning stellt sicher, dass der Kunde die ausschließliche Kontrolle über die kryptografischen Schlüssel behält.
- Datenbegrenzung: Speichervorgänge (
driad) sind auf europäische Jurisdiktionen beschränkt. - Auditierbarkeit: Realm Logs protokollieren Datenzugriffsereignisse zu Audit-Zwecken.
SOV-4: Operative Souveränität (15 %)
Misst die praktische Fähigkeit von EU-Akteuren, eine Technologie unabhängig von ausländischer Kontrolle zu betreiben, zu unterstützen und weiterzuentwickeln.
- Bewertung: SEAL-4
- Begründung:
- Externe Abhängigkeiten: Die Plattform minimiert externe Abhängigkeiten und setzt auf native Implementierungen (z. B. einen nativen iSCSI-Target-Server, der in den Rust-Agenten integriert ist).
- Wartbarkeit: Kernkomponenten sind in Rust geschrieben, was tiefe technische Kontrolle und Wartbarkeit unterstützt.
- Vendor Lock-in: StateWarden erfordert keine proprietären Closed-Source-Ökosysteme von Nicht-EU-Anbietern.
SOV-5: Lieferkettensouveränität (20 % - höchste Gewichtung)
Bewertet den geografischen Ursprung, die Transparenz und die Resilienz der Technologie-Lieferkette.
- Bewertung: SEAL-3 bis SEAL-4
- Begründung:
- Hardware: Hosting auf OVHcloud-Bare-Metal-Servern (ein EU-Anbieter). Physische Siliziumkomponenten stammen zwar aus globalen Quellen, doch die logische Kontrolle über die Bare-Metal-Server verbleibt in der EU.
- Software-Ursprung: Der Software-Stack wird innerhalb der EU entwickelt.
- Open-Source-Resilienz: Software-Abhängigkeiten werden aktiv verwaltet und versioniert festgelegt, um Stabilität zu gewährleisten.
SOV-6: Technologiesouveränität (15 %)
Bewertet den Grad an Offenheit, Transparenz und Unabhängigkeit des zugrunde liegenden Technologie-Stacks.
- Bewertung: SEAL-4
- Begründung:
- Unabhängigkeit: Interne Dienste (z. B. Hermes für SMTP, Vigil für Threat Feeds) ersetzen externe Abhängigkeiten.
- Transparenz: Es wird auf die Integration offener Standards gesetzt (QMP/NBD für Proxmox, OSV/NVD für Schwachstellen) statt auf proprietäre Formate.
SOV-7: Souveränität bei Sicherheit und Compliance (10 %)
Misst, in welchem Umfang Sicherheitsbetrieb, Compliance-Pflichten und Resilienzmaßnahmen innerhalb der EU kontrolliert werden.
- Bewertung: SEAL-3 (Ziel: SEAL-4 nach Zertifizierung)
- Begründung:
- Kontrolle des Betriebs: Sicherheitsbetrieb und Logging unterliegen EU-Kontrolle.
- Compliance: Einhaltung der DSGVO (Art. 32) sowie Unterstützung von NIS2- und DORA-Compliance-Mechanismen.
- Lücke: StateWarden hält noch keine Zertifizierungen nach ISO/IEC 27001 oder ENISA, die für ein höheres Niveau in dieser Kategorie maßgeblich sind. StateWarden verfolgt diese Zertifizierungen derzeit.
SOV-8: Ökologische Nachhaltigkeit (5 %)
Bewertet die Autonomie und Resilienz von Cloud-Diensten langfristig in Bezug auf den Energieverbrauch.
- Bewertung: SEAL-4
- Begründung:
- Energiequelle: Die Rechenzentren nutzen erneuerbare Energiequellen.
- Effizienz: Die Implementierung der Kernkomponenten in Rust sorgt für einen geringen Rechenaufwand und trägt auf Softwareebene zur Energieeffizienz (Power Usage Effectiveness, PUE) bei.